Krankenversicherung ab 2010: Lohnsteuerabzug und Einkommensteuererklärung

Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge werden ab dem Jahr 2010 aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts in höherem Maße als bisher bei dem Lohnsteuerjahresausgleich berücksichtigt. Was ändert sich bei der Berücksichtigung von Beiträgen zur Krankenversicherung ab 2010?

  • Beiträge zur Krankenversicherung sind in unbegrenzter Höhe abziehbar, soweit sie auf eine Basisversorgung entfallen, d. h. der Beitragsanteil für Krankengeld sowie Komfortleistungen ist aus den Beiträgen zur Krankenversicherung heraus zurechnen,
  • Beiträge zur Pflegepflichtversicherung sind in unbegrenzter Höhe abziehbar,
  • der steuerfreie Arbeitgeberzuschuss kürzt die abzugsfähigen Beiträge.

Sonderausgabenabzug anderer Versicherungsbeiträge

  • Sonstige Versicherungsbeiträge, wie z. B. für Haftpflichtversicherungen, sind nur abziehbar, wenn die Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegepflichtversicherung (nach Abzug des Arbeitgeberzuschusses) die Summe von EUR 1.900 (bei Arbeitnehmern) bzw. EUR 2.800 (vor allem bei Unternehmern) nicht überschreiten. Bei Zusammenveranlagten Ehegatten verdoppeln sich die Beträge.
  • Beiträge zur Altersvorsorge (z. B. Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung) sind wie bisher abziehbar.
  • Beiträge zur Versicherung im Rahmen der Riesterrente sind ebenfalls wie bisher abzugsfähig.

Privat krankenversichert

Bei der privaten Krankenversicherung gilt beim Lohnsteuerabzugsverfahren bzw. der Einkommensteuererklärung folgendes: Die abzugsfähigen Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegepflichtversicherung werden bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Das setzt aber voraus, dass die privatkrankenversicherten Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber die Höhe ihrer monatlichen Aufwendungen und den darin enthaltenen Anteil für die Basisversorgung mitteilen. Von den Versicherungsunternehmen werden deshalb Bescheinigungen über die Höhe der Beiträge nach § 10 Abs. 1. Nr. 3 EStG ausgestellt und den Versicherten zugesandt.

Die Höhe der abzugsfähigen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bei Privatversicherten werden zukünftig direkt vom Versicherungsunternehmen bis 28.02. des Folgejahres dem Finanzamt mitgeteilt. Nur dann können diese im Rahmen der Veranlagung  aufgrund der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden.

2 Comments

  1. Leser5. März 2011

    Was passiert mit der 4%-Kürzung für Krankengeld bei gesetzlich versicherten AN, wenn der gesamte Vorsorgeaufwand kleiner als 1.900 € ist?
    Beispiel: Azubi Brutto 15.244 € p. a.
    AN-KK 8,2 % 1.250 € abz. 4 % 50 € = 1.200 € / PV 187 € / BA 213 € / Haftpfl. 200 € = gesamt 1.200 + 187 + 213 + 200 = „nur“ 1.800.
    Also Spielraum zu 1.900 € ist 100 €. Wird die 4%-Kürzung von 50 € zum Auffüllen verwendet? Logisch wäre das, denn wenn ich eine Krankenhaus-Zusatzversicherung habe für z. B. Zweibettzimmer, dann darf ich den Betrag in Zeile 30 der Anlage Vorsorgeaufwand ansetzen, wobei ich bei einem Krankenhausaufenthalt bei Nichtinanspruchnahme des Zweibettzimmers ein Krankengeld in Form einer Tagespauschale bekomme.
    Die Frage ist von allgemeiner Bedeutung. Vielleicht können Sie im Internet darauf eingehen? Dann bitte Info an mich mit dem Hinweis auf die Veröffentlichung, damit ich die lese. Besten Dank.
    Mit freundlichen Grüßen

  2. Dirk Pohlmann6. März 2011

    Vielen Dank für Ihre interessante Anfrage. Bedauerlicherweise können wir Ihre Frage hier nicht beantworten. Die Antwort auf Ihre Frage würde eine steuerliche Beratung darstellen, diese ist jedoch unseren Mitgliedern vorbehalten. Ein anderes Verhalten wäre ein Verstoß gegen das Steuerberatungsgesetz.

    Sofern Sie an den Leistungen des Lohnsteuerhilfeverein HILO e.V. interessiert sind, können Sie über die Beratungsstellensuche die für Sie nächstgelegene Beratungsstelle unter UNSERE BERATUNGSSTELLEN finden.

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