10.05.2011 Mit dem Firmenwagen zur Arbeit: Fahrten notieren und Steuern sparen

(BDL) Steht dem Arbeitnehmer ein Firmenwagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zur Verfügung, ist hierfür bei der Steuer grundsätzlich ein zusätzlicher geldwerter Vorteil anzusetzen. Im Rahmen der 1%-Methode berechnete sich der Zuschlag bisher in Form einer Monatspauschale von 0,03% des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer.

BFH ist anderer Meinung

Dem Bundesfinanzhof (BFH) geht diese pauschale Betrachtungsweise erfreulicherweise zu weit. Er hat schon mehrmals zu Gunsten der Firmenwagenbesitzer entschieden: Auch bei der Pauschalmethode kommt es darauf an, ob und in welchem Umfang der Firmenwagen tatsächlich für den Weg zur regelmäßigen Arbeitsstätte genutzt wird. Deshalb sind in bestimmten Fällen nur die tatsächlichen Fahrten zu versteuern – und zwar jeweils nur mit 0,002% des Listenpreises pro Entfernungskilometer (BFH, Urteil vom 4.4.2008, Az. VI R 85/04, BStBl. 2008 II S. 887; BFH-Urteil vom 28.8.2008, VI R 52/07, BStBl. 2009 II S. 280). Dies hat der Bundesfinanzhof »nach erneuter Überprüfung« nochmals bestätigt (BFH, Urteil vom 22.9.2010, Az. VI R 57/09, DB 2011 S. 30). Die Verwaltung hatte die Urteile bislang nicht angewendet (Nichtanwendungserlasse des BMF, Schreiben v. 23.10.2008, BStBl I S. 961 und vom 12.03.2009, BStBl I S. 500).

BMF akzeptiert Richterspruch

Mit Schreiben vom 1. April 2011 (IV C 5 – S 2334/08/10010) hat das Bundesfinanzministerium nunmehr seinen bisherigen Standpunkt aufgegeben und geregelt, unter welchen Voraussetzungen bei der 1%-Methode ein Wechsel vom Monatsprinzip zur tageweise Berechnung zulässig ist, sodass der Arbeitgeber den geldwerten Vorteil nur noch für die tatsächlichen durchgeführten Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte versteuern muss.

Ab 2011 ist die neue Rechtsprechung im Lohnsteuerabzugsverfahren anwendbar. Der Arbeitgeber muss dabei in Abstimmung mit dem Arbeitnehmer die Anwendung der BFH-Rechtsprechung (Einzelbewertung) oder die Anwendung der 0,03%-Regelung für jedes Kalenderjahr einheitlich festlegen. Die Methode darf während des Kalenderjahres nicht gewechselt werden. Bei der Veranlagung zur Einkommensteuer ist der Arbeitnehmer dann jedoch nicht an die für die Erhebung der Lohnsteuer gewählte Methode gebunden und kann die Methode einheitlich für alle ihm überlassenen betrieblichen Kraftfahrzeuge für das gesamte Kalenderjahr wechseln und zwar rückwirkend für den Veranlagungszeitraum 2010 und in allen offenen Fällen.

Methodenwechsel auch noch bei der Einkommensteuererklärung

Voraussetzung für den Methodenwechsel im Veranlagungsverfahren ist, dass der Arbeitnehmer dem Finanzamt – wie beim Lohnsteuerabzug – eine detaillierte fahrzeugbezogene Aufstellung dem Finanzamt vorlegen kann, aus der sich unter Angabe des jeweiligen Datums die tatsächlich mit dem Firmenwagen durchgeführten Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeit ergeben.

Außerdem muss er durch eine Bescheinigung des Arbeitgebers darlegen, in welcher Höhe bislang bei der 1%-Methode diese Fahrten durch den Ansatz des 0,03%-Zuschlags dem Lohnsteuerabzug unterlegen haben. Als Nachweis kommen z.B. Gehaltsmitteilungen, Lohnabrechnungen oder formlose Arbeitgeberbescheinigungen in Betracht.

BDL empfiehlt Notizen

Erich Nöll, Geschäftsführer des BDL, empfiehlt daher Arbeitnehmern, die wenige Fahrten im Monat zur Arbeitsstätte durchführen, geeignete Aufzeichnungen vorzunehmen, aus denen die Anzahl der Fahrten mit Datumsangabe hervorgehen.

Die Einzelbewertung ist günstiger, wenn an weniger als 15 Tagen im Monat (15 x 0,002% = 0,03%) und demzufolge an weniger als 180 Tagen im Jahr (12 x 15 Tage) Fahrten mit dem Firmenwagen zur Arbeitsstätte durchgeführt werden. Bei 50 Fahrten im Jahr, einem Listenpreis von 30.000 Euro und einer einfachen Entfernung von 50 km sind beispielsweise bei dieser Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten nur 1.500 Euro (0,002% von 30.000 Euro x 50 km x 50 Fahrten) anstatt 5.400 Euro (0,03% von 30.000 Euro x 50 km x 12 Monate) im Jahr zu versteuern. Ein gewaltiger Unterschied.

Steuern sparen mit dem Firmenwagen; Vorbereitung für den Lohnsteuerjahresausgleich 2011

Falls Sie Ihren Firmenwagen auch privat nutzen dürfen, müssen Sie diese Möglichkeit als so genannten geldwerten Vorteil versteuern. Das bedeutet: Zu Ihrem steuerpflichtigen Arbeitslohn wird dieser Vorteil hinzugerechnet und von dem erhöhten Betrag die Lohnsteuer und gegebenenfalls die Sozialversicherung ermittelt.

Bei einem Firmenwagen gibt es zwei Möglichkeiten, diesen geldwerten Vorteil zu ermitteln.

1. Die 1%- Methode:

Der geldwerte Vorteil wird pauschal mit 1% des Bruttolistenpreises plus Kosten der Sonderausstattung pro Monat angesetzt. Zusätzlich werden noch für eventuelle Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 0,03% des  Listenpreises x Entfernungskilometer pro Monat als geldwerter Vorteil versteuert.

2. Die Fahrtenbuchmethode:

Hier wird der Betrag, der auf die private Nutzung entfällt, genau ermittelt. Dazu ist ein von Ihnen ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch und die Auflistung aller Kosten des PKWs (Abschreibung bzw. Leasing, Benzin, Versicherung, Kfz-Steuer usw.) notwendig. Die Aufzeichnung dieser Kosten muss der Arbeitgeber vornehmen. Zwar ist diese Methode aufwendiger, aber oft lohnt sich die Mehrarbeit und Sie können damit Steuern einsparen. Wichtig: Das Fahrtenbuch muß jeweils für ein ganzes Jahr erstellt werden, ein unterjähriger Wechsel von der 1%-Methode hin zum Fahrtenbuch ist nicht möglich. Lediglich ein Fahrzeugwechsel eröffnet diese Möglichkeit. Wer also in den nächsten Tagen seinen neuen Firmenwagen abholt, sollte sich vorher noch ein Fahrtenbuch kaufen.

Fragen Sie Ihren Berater. Wir geben Ihnen gerne weitere Informationen bzw. berechnen die für Sie günstigere Variante.

Nutzungsentgelte und Zuzahlungen

1. Nutzungsentgelte

… die der Arbeitnehmer für die Überlassung eines Firmenwagens an seinen Arbeitgeber bezahlt, mindern den ermittelten geldwerten Vorteil.

2. Zuzahlungen zu den laufenden Kosten (z.B. Benzinkosten)

… werden bei Anwendung der 1%-Methode nicht berücksichtigt. Bei Anwendung der Fahrtenbuchmethode sind die Aufwendungen nach Auffassung des Bundesfinanzhofes als Werbungskosten abziehbar. Nach Auffassung der Finanzverwaltung mindern diese den geldwerten Vorteil. Beide Varianten können im Einzelfall günstiger sein.

3. Zuzahlungen zu den Anschaffungskosten (z.B. Sonderausstattung)

… mindern den geldwerten Vorteil und damit Ihren steuer- und sozialversicherungspflichtigen Arbeitslohn.

Beispiel:

Hans Meier erhält im Oktober 2009 einen Firmenwagen. Listenpreis 25.000 €. Für das Jahr 2009 wird für die private Nutzung pauschal ein geldwerter Vorteil von 750 € versteuert. Die Kosten der Klimaanlage von 2000 € hat Herr Meier übernommen. Falls er den Betrag im Jahr 2009 voll bezahlt, wird er mit dem geldwerten Vorteil verrechnet. Der verbleibende Betrag von 1250 € wird im Jahr 2010 mit dem geldwerten Vorteil verrechnet.

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