Unfallkosten können Werbungskosten sein

Aufgrund von Schnee, Eis und Eisregen erleiden viele Arbeitnehmer in diesen Tagen mit ihrem Pkw selbstverschuldete Verkehrsunfälle. Die Kosten eines Unfalls können beim Finanzamt steuerlich geltend gemacht werden, wenn sie auf der Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, während einer Auswärtstätigkeit oder einer anderen betrieblichen Fahrt entstanden sind.Weiterlesen

Beiträge zur Rechtsschutzversicherung können absetzbar sein!

Beiträge zur Familien-Rechtsschutzversicherung sowie zur Familien- und Verkehrs-Rechtsschutzversicherung sind nicht als Vorsorgeaufwendungen im Rahmen der Sonderausgaben absetzbar. Diese kombinierten Versicherungen decken nicht nur private Risiken, sondern auch berufliche Risiken ab, so vor allem den Berufsrechtsschutz.

Nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH-Urteil vom 31.1.1997, BFH/NV 1997 S. 346) ist allerdings ausnahmsweise eine Aufteilung des Versicherungsbeitrages zulässig, wenn der Versicherer bescheinigt, welcher Anteil der Gesamtprämie nach seiner Kalkulation auf den die berufliche Sphäre betreffenden Versicherungsschutz entfällt.

Als Werbungskosten kann nur der Anteil der Prämie für eine Familien- Rechtsschutzversicherung oder für eine Familien- und Verkehrs- Rechtsschutzversicherung berücksichtigt werden, der nach der Schadensstatistik der einzelnen Versicherungsgesellschaft auf den Berufs-Rechtsschutz entfällt. Dieser Prämienanteil ist durch eine Bescheinigung der Versicherungsgesellschaft nachzuweisen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gibt an, dass nach der Rechtsschutz-Gesamtstatistik bei der Familien-Rechtsschutz- Versicherung 65 % und bei der Familien- und Verkehrs-Rechtsschutz- Versicherung 43 % auf berufliche Schadensfälle entfallen. Dennoch verweigert die Finanzverwaltung eine anteilige Anerkennung. Die Leistungsarten ließen sich „nicht nach allgemeinen Maßstäben in einen beruflichen und einen privaten Anteil aufteilen“, so die Begründung.

Erich Nöll, Geschäftsführer des BDL, empfiehlt, immer eine Bescheinigung der Versicherungsgesellschaft anzufordern, auf der der Versicherer bescheinigt, welcher Anteil der Gesamtprämie auf den die berufliche Sphäre betreffenden Versicherungsschutz entfällt.

(Quelle: BDL Pressemitteilung 03.08.2012)

BFH | Fahrtkosten: Verschiedene Einsatzstellen, eine oder keine regelmäßige Arbeitsstätte

Der BFH hat seine Rechtsprechung mit den Urteilen vom 9. Juni 2011 (AZ: VI R 55/10, VI R 36/10 und VI R 58/09) zur „regelmäßigen“ Arbeitsstätte grundlegend geändert. Jeder Arbeitnehmer kann danach grundsätzlich nur noch maximal eine regelmäßige Arbeitstätte haben. Denkbar ist auch, dass er über keine regelmäßige Arbeitsstätte verfügt.

Bisher konnte typisierend davon ausgegangen werden, dass eine regelmäßige Arbeitsstätte immer dann vorlag, wenn die Arbeitsstätte mindestens einmal pro Woche aufgesucht wurde. Dies hatte im Extremfall zur Folge, dass ein Arbeitnehmer über unbeschränkt viele regelmäßige Arbeitsstätten verfügen konnte. Als Werbungskosten wurde für alle Fahrten mit dem Pkw lediglich die Entfernungspauschale (0,30 € pro Entfernungskilometer) angesetzt.

Das ist nun vorbei. Der BFH hat entschieden, dass zum Beispiel Filialleiter, die mehrere Filialen ihres Arbeitgebers aufsuchen, künftig maximal nur noch eine regelmäßige Arbeitsstätte innehaben. Diese bestimmt sich danach, an welcher Tätigkeitsstätte der Arbeitnehmer überwiegend tätig ist. Hat keine der Tätigkeitsstätten gegenüber den anderen eine hinreichend zentrale bzw. hervorgehobene Bedeutung, verfügt der Arbeitnehmer über keine regelmäßige Arbeitsstätte und ist folglich ausschließlich auswärts tätig. Es ist deshalb künftig in besonderem Maße notwendig, den jeweiligen Tätigkeitsumfang an der einzelnen Tätigkeitsstätte im Detail zu ermitteln und zu dokumentieren.

Existiert keine regelmäßige Arbeitsstätte, dann handelt es sich bei den anfallenden Fahrtkosten zu den verschiedenen Arbeitsstätten nicht um Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, sondern um Werbungskosten aufgrund einer Auswärtstätigkeit. Bei Nutzung eines privaten Pkw können 0,30 € je gefahrenen Kilometer, d. h. für Hin- und Rückfahrt, und darüber hinaus bei Vorliegen der übrigen gesetzlichen Voraussetzungen auch Verpflegungsmehraufwand geltend gemacht werden. Für den Fall, dass einer der Tätigkeitsstätten eine zentrale Bedeutung zukommt, greift für Fahrten zu dieser Arbeitsstätte die Entfernungspauschale, für die übrigen Fahrten können 0,30 Euro pro gefahrenen Kilometer, angesetzt werden.

(Quelle: BDL Pressenotiz Nr. 26 / 29.09.2011)

BFH | Studium und Berufsausbildung: Erstausbildung als Werbungskosten absetzbar

Berlin (bdl) Jetzt können auch die Kosten für die erste Ausbildung bzw. das Erststudium steuermindernd geltend gemacht werden. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in zwei aktuellen Urteilen zugunsten der Auszubildenden und Studierenden entschieden:

Ausgaben für eine Berufsausbildung oder ein Studium sind auch dann (ggf. vorweggenommene) Werbungskosten, wenn das Studium unmittelbar im Anschluss an eine Schulausbildung aufgenommen wird (Az. VI R 38/10 und VI R 7/10). Der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine e.V. (BDL) zeigt sich erfreut darüber, dass der BFH das seit 2004 bestehende Abzugsverbot gekippt hat.

Studienkosten waren bisher nur als so genannte Sonderausgaben bis zum einem Höchstbetrag von 4.000 Euro absetzbar. Von dieser Regelung profitierten jedoch nur Auszubildende, die bereits während des Studiums über steuerpflichtige Einnahmen verfügten. Sonderausgaben sind zwar steuerlich absetzbar, aber nur in dem Jahr, in dem sie geleistet werden. Ein Vortrag dieser Aufwendungen in ein späteres Kalenderjahr, um diese dann mit den Einnahmen in den ersten Berufsjahren zu verrechnen, ist nur Werbungskosten vorbehalten.

Quelle: Presseinfomation BDL Nr. 22 / 17.08.2011

01.08.2011 Werbungskosten: Arbeitsecke im Wohnzimmer als Arbeitszimmer?

Entgegen der bisherigen Rechtsprechung hat das Finanzgericht (FG) Köln in seinem Urteil vom 19.05.2011 (Az.: 10 K 4126/09) entschieden, dass die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer auch bei erheblicher Privatnutzung in Höhe des beruflichen Nutzungsanteils steuerlich abgezogen werden können.

Das FG stützt seine Entscheidung im Wesentlichen auf den Beschluss des Großen Senats des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 21. September 2009. Seinerzeit wurde das strikte Aufteilungsverbot des § 12 Einkommensteuer-gesetz (EStG) bei so genannten gemischt veranlassten Aufwendungen insbesondere in Hinsicht auf gemischt veranlasste Reisekosten gekippt. Nunmehr dürfen Aufwendungen aus sowohl beruflichem als auch privatem Anlass grundsätzlich in abziehbare Werbungskosten/Betriebsausgaben und nicht abziehbare Aufwendungen für die private Lebensführung aufgeteilt werden. Die Finanzverwaltung hat dies zwischenzeitlich auch umgesetzt (vgl. BMF-Schreiben vom 6. Juli 2010 – BStBl 2010 I S. 614). Was für Reisekosten gilt, ist nach Auffassung des FG Köln auch beim häuslichen Arbeitszimmer anwendbar.

In dem Klageverfahren beantragte ein Unternehmer den Abzug von 50 % der Kosten für einen jeweils hälftig als Wohnzimmer und zur Erledigung seiner Büroarbeiten genutzten Raum. Der Senat gab der Klage grundsätzlich statt. Er beschränkte allerdings die steuerliche Anerkennung als Betriebsausgaben auf 1.250 €, da das Wohn-/Arbeitszimmer im Urteilsfall nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen Tätigkeit darstellte.

Erich Nöll, Geschäftsführer des BDL empfiehlt betroffenen Steuerbürgern die Kosten für eine Arbeitsecke entsprechend als Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer geltend zu machen und im Falle der Ablehnung durch das Finanzamt Einspruch gegen den Steuerbescheid einzulegen. Da zwischenzeitlich Revision beim BFH eingelegt wurde (Az.: X R 32/11), besteht die Möglichkeit, den Einspruch bis zur Entscheidung durch den BFH ruhen zu lassen (§ 363 Abs. 2 AO).

12.05.2011 BDL: Erhöhung der Entfernungspauschale auf 40 Cent überfällig

(BDL) Eine Erhöhung der Entfernungspauschale auf 40 Cent pro Entfernungskilometer mahnt der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine in Berlin an.

Werner Lenk, Vorstandsvorsitzender des Verbandes: „Durch die Entfernungspauschale wird berufsbedingter Aufwand pauschal steuermindernd berücksichtigt. Das Bundesverfassungsgericht hat 2008 in seinem Urteil zur Pendlerpauschale eine realitätsgerechte Pauschalierung und Typisierung angemahnt. Aufgrund der enorm gestiegenen Benzinpreise halten wir die derzeit geltende Pauschale für unangemessen niedrig.“ Es geht um die Entlastung derjenigen, die den tatsächlich gestiegenen Kosten nicht ausweichen können und auf ihr Auto angewiesen sind. Diese Arbeitnehmer haben tatsächliche wirtschaftliche Nachteile, die es auszugleichen gilt. Aber auch die Preise der öffentlichen Verkehrsmittel sind aufgrund der hohen Energiepreise in den letzten Jahren überproportional angestiegen. Statt der gestern im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages diskutierten Anhebung des Arbeitnehmerpauschbetrags (von 920 Euro auf 1.000 Euro), sollte die Entfernungspauschale erhöht werden. Vorhandene Mittel müssen dort eingesetzt werden, wo tatsächliche Aufwendungen entstehen und typisierend erfasst werden.

Die derzeitige Pauschale von 30 Cent pro Entfernungskilometer gilt seit dem Jahr 2004. Während die Verbraucherpreise laut Statistischem Bundesamt seit dieser Zeit um mehr als 10% gestiegen sind, verteuerte sich Superbenzin um über 30% und Dieselkraftstoff um mehr als 35%. Aus Sicht des BDL ist allein aufgrund dieser Preissteigerung bereits eine Erhöhung der Entfernungspauschale auf 40 Cent zwingend erforderlich.

Der finanzielle Spielraum für eine solche Maßnahme ist vorhanden. Das Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise scheint erreicht und über den Umfang des wirtschaftlichen Aufschwungs und der zu erwartenden steuerlichen Mehreinnahmen wird allseits mit Bewunderung gesprochen. Wenn im Staatshaushalt außerdem finanzielle Mittel (zirka 330 Millionen) vorhanden sind, den Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro auf 1.000 Euro zu erhöhen, der regelmäßig nur Personen begünstigt, die keine berufsbedingten Aufwendungen haben, dann sollte auch Geld für diejenigen vorhanden sein, deren wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aufgrund der Preissteigerungen für Benzin und Diesel beeinträchtigt wird.

Fachliteratur von der Einkommensteuer absetzen; Finanzamt verlangt ordnungsgemäßen Nachweis

Berlin – Damit die Aufwendungen für Fachliteratur als Werbungskosten abgezogen werden können, müssen sie durch Vorlage von Quittungen des Buchhandels nachgewiesen werden. Diese Belege müssen sowohl den Namen des Käufers als auch den Titel des angeschafften Buches enthalten. Der Bundesfinanzhof bekräftigt in zwei aktuellen Urteilen, dass die Kassenquittung nicht ausreicht (Az. VIII R 27/08 und VIII R 26/08).

Das Finanzamt akzeptiert keine Registrierkassenquittungen, auf denen der Erwerber nachträglich den Titel des angeschafften Buches vermerkt und seine Verwendung darlegt. Generell haben Steuerzahler nämlich eine erhöhte Nachweispflicht bei der Fachliteratur.

Erforderlich ist die Vorlage der Quittung von Buchladen oder Onlinehändler. Sie muss den Namen des Käufers sowie den Titel der Fachliteratur enthalten. Darüber hinaus muss dem Finanzamt die Zahlung belegt werden, etwa die Abbuchung vom Konto oder der Kassenbeleg mit dem entsprechenden Betrag. Nur wenn diese drei Voraussetzungen gemeinsam erfüllt sind, können die Aufwendungen steuermindernd geltend gemacht werden.

Steuerzahler sollten die erhöhten Anforderungen beachten. Das gilt nicht nur für künftige Einkäufe, sondern auch für die bereits vorliegenden Belege für die anstehende Steuererklärung 2010. Im Nachhinein ist es für den Buchhändler kaum möglich, fehlende Daten noch zu ergänzen.

Quittungen werden beim Finanzamt vor dem Hintergrund nicht mehr so problemlos wie in der Vergangenheit abgehakt, dass der zuvor eingeräumte Gestaltungsspielraum oft deutlich überschritten wurde. Da ließen sich Arbeitnehmer in der Fachabteilung des Buchladens eine Quittung ausstellen, den Kassenbereich sah diese Literatur aber nicht. Denn der Kunde ging mit Beleg und ohne Buch nach Hause und setzte die nicht angefallenen Kosten bei der Steuer ab.

Beliebt war auch der Tausch unter Kollegen und Freunden. Da wurde die Quittung über das Medizinlexikon oder das PC-Handbuch mehrfach der Steuererklärung beigefügt. Kamen die Belege vom Finanzamt zurück, nutzte sie der nächste Steuerpflichtige für seinen Kostenabzug. Wer keinen großen Bekanntenkreis hatte, besorgte sich die entsprechenden Kaufunterlagen für die Fachliteratur über das Internet. Für 20 Euro beispielsweise gab es die gewünschten Quittungen über 198 Euro.

Diese kleinen oder großen Schummeleien werden jetzt sogar bestraft. Die Weitergabe von Belegen über Fachliteratur gilt jetzt als Ordnungswidrigkeit. Diese kann mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro geahndet werden.

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